Stollen aus der Akademie für das Deutsche Bäckerhandwerk – vom Saulus zum Paulus
Ich bekenne mich schuldig. Schuldig der Voreingenommenheit, alle Stollen seien … naja …
Nach einem mehrtägigen Stollenseminar an der „Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Weinheim“ gab es wenig Begeisterung. Durch die Bank war Stollen nicht mein Gebäck – jedenfalls nicht die dort vorgestellten. Viel Wasser floss seitdem den Rhein hinab ins Meer. Mittlerweile kenne ich eine andere Stollen-Qualität aus der Dresdner „Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Sachsen“. Die kann man essen.
Die bon‘gu-Bäckermeisterin Alexandra hat auf ihrem steinigen Weg zum heiligen Gral der Meisterschaft einiges an Wissen, Fertigkeiten, Techniken eingesammelt. Diese Fülle steht uns ab sofort zur Verfügung. Bon’gu-Back-Kompetenz für alle. Sie lässt die Backstube unserer Kunden schöner und häufiger duften, das eigene Gebäck noch besser werden. Unsere Rezepte sind ausgefeilter, gelingsicherer und direkt aus dem deutschen Back-Kompetenzzentrum schlechthin. Greift zu. Kopiert und verbreitet die gute Nachricht. Und vor allem: Backt! Backt mit den besten bon‘gu-Zutaten und macht euch die Eurigen hörig. Mit eurem Gebäck.
Butterstollen nach dem Original der sächsischen Landeshauptstadt
Vorteig/Hefestück
200 g Weizenmehl Tipo 00, Vittoria
150 g Vollmilch
70 g HefeSaccharomyces cerevisiae (Backhefe, Bäckerhefe, Bierhefe) Backhefe wird als Frischhefe (ca. 70 % Wassergehalt) und Trockenhefe (ca. 5 % Wassergehalt) angeboten. 1 g Trockenhefe entspricht etwa 2,5 Frischhefe. Im frischen Zustand riecht sie fruchtig-aromatisch und bricht muschelig. Trockenhefe wird in Tüten zu je 7 g verkauft, man kann sie anstelle von Frischhefe einsetzen. Frischhefe hält sich bei kühler Lagerung (2 – 8 °C) etwa zwei Wochen ohne Qualitätseinbußen. Der Verlust an Triebkraft mit der Alterung liesse sich durch mehr Hefe ausgleichen- allerdings werden mit zunehmendem Alter bestimmte Enzyme aus abgestorbenen Zellen freigesetzt, die Gluten spalten. Dadurch baut der Teig schneller ab. Außerdem trägt ältere Hefe aufdringliches Aroma ein. Frischhefe sollte daher nach dem Kauf schnellstmöglich verarbeitet werden. Das Einfrieren von Hefe zerstört die Hefezellen und vermindert die Möglichkeit der Hefevermehrung. Auf die Triebkraft hat dies nur geringen Einfluss. Die backtechnischen Eigenschaften von Biohefe unterscheiden sich nahezu nicht von konventioneller Hefe. Sie altert etwas schneller und erreicht nicht ganz die Triebkraft. Wieviel Hefe braucht man? Hefe spaltet die Backgemeinde: mancher meint, dass das Gebäckaroma umso besser wird, je weniger Hefe man einsetzt. Andere mögen eben das Hefearoma in der frischen Backware und halten es für typisch. Man bekommt mit mehr Hefe flauschig- wattige Krumen, diese erstrebenswerte Eigenschaft erkauft man sich mit geringerer Frischhaltung. Nur durch Ausprobieren kann man für sich herausfinden, wie hoch der optimale Anteil für ein Rezept liegt. Für lange Garezeiten von bis zu mehreren Tagen nimmt man eher wenig Hefe und senkt zusätzlich die Teigtemperatur. Dazu sollte auch das passende Mehl gewählt werden, um diese Tortur zu überstehen.
Beispiel: 0,2% Hefe/4°C Teigtemperatur Für extrem kurze Garezeiten wählt man eine Teigtemperatur von 25°C und eine Hefekonzentration von 2,5%, evtl. mit Malzzugabe, um das Nährstoffangebot zu optimieren. Dazwischen sind alle Kombinationen möglich. More
Auskneten, TTTT – Abkürzung für Teigtemperatur. Die Teigtemperatur ist ein häufig unterschätzter Parameter und entscheidet nicht nur über die Fermentsationsdauer/Stehzeit des Teiges, sondern auch über die sich entwickelnden Aromen, auch über den Säuregrad. More: 25 °C, RZauch: Reifezeit, die Ruhezeit der Gare vom Mischen eines (Vor-) Teiges bis zum folgenden Eingriff. Das kann die nächste Stufe einer Auffrischung oder die Zeit vom Formen des Teiglings bis zum Einschießen des Gebäcks in den Ofen sein. More: 60 Min.
Quellstück
200 g Mandeln, z. B. Avola-Qualität
150 g Zitronat
50 g Orangeat
150 g Zucker
180 g Vollmilch
25 g Zitronensaft
2 g Macis
Vermengen und mindestens 60 Min. quellen lassen
Sultaninen-Quellstück
1000 g Sultaninen
80 g Rum
80 g Wasser
Vermengen und mindestens 120 Min. quellen lassen. Zwischendurch nochmal umrühren.
Auskneten
- 3 Min. langsam, 4 Min. schnell kneten, dann schonend
- 1160 g Sultaninen-Quellstück unterkneten
- 60 Min. Teigruhe
- Gesamtteiggewicht: ca. 3600 g
Aufarbeiten
- Menge halbieren oder dritteln und nach folgendem Video vorgehen:
Klassischer Christstollen mit Dietmar Kappl und dem besten Stollenmehl von bongu: Vittoria - Teigruhe: max. 15 Min.
Backen
- Auf einem Unterblech einschießen, schwaden, bei 220 °C anbacken, sofort auf 170 °C herunterregeln.
- Nach 20 Min. auf 150 °C.
- Knapp ausbacken auf Kerntemperaturhier: gemessen im Gebäck während des Backvorgangs. Anhand der Kerntemperatur kann festgestellt werden, ob das Gebäck ausgebacken ist. Auch dieser Vorgang erfordert Sorgfalt- ich habe einen gestandenen Ausbilder der Akademie in Weinheim einen Wert nehmen sehen, das Brot hat er für ausgebacken erklärt und im Moment des Stürzens aus der Backform fiel es in sich zusammen. Das Thermometer wurde zu tief eingestochen und maß einen Wert am Boden. Nicht umsonst heisst es „Kerntemperatur“. Kleingebäck wird nach Erfahrung aus dem Ofen geholt. Rührkuchenqualität profitiert sehr von einem genauen Zeitpunkt des Ausbackens- der Holzstabtest zeigt fast immer an, wann es zu spät ist.
Brot: 98°C: fertig gebacken, 96°C halbgebacken
Brioche: 94°C
Rührkuchen: 93°C More von 94 – 95 °C. - Die Krume darf (muss) nach unserem Verständnis leicht schliffig sein.
Schellis Urteil
Interessant ist die Veränderung von Konsistenz, Mundgefühl und Geschmack über die Zeit. Es lohnt sich, den Stollen am besten noch warm anzuschneiden und zu genießen und das Ritual täglich zu wiederholen, um sich durch diesen Erkenntnisgewinn Lebensqualität zu erobern.
Dieser Traditions-Butterstollen ist großartig! Ich kenne keinen besseren. Die Cremigkeit am Gaumen wird durch das knappe Ausbacken und die üppige Portion Butter erreicht. Für mich ist dieser „Schliff“ erstrebenswert, er gibt dem Stollen neben der Fülle der Zutaten eine pralinenartige Schwere, Dichte. Man tankt vorweihnachtliche Glückseligkeit, um dem Stress der kommenden Wochen gelassen entgegensehen zu können. Hält man sich an das obige Rezept und verwendet dazu beste bon‘gu-Zutaten, entfaltet sich ein wahrer Backzauber.
Folgende Variationsmöglichkeiten bieten sich an:
– Zitronat- und Orangeat-Anteil umkehren
– Orangenzesten einarbeiten
– Zitronenzesten einarbeiten
– Rumanteil in den Sultaninen erhöhen
Unbedingt in großer Menge backen und viele Freunde beglücken!