Ein Brot, das es aus der Versuchsbäckerei in unseren Haushalt geschafft hat – das Kompliment bekommen nur ganz wenige. High-End-Alltagsbrot. Diesen Widerspruch in sich klären wir sofort: Wenn man sich strikt an die Rahmenbedingungen hält, ist es ein einfach herzustellendes Brot. Und ein sensationell gutes Brot.
Rezept Alexandras Morgenbrot aus der Backform
Zutaten
Zubereitung
Tag 1
9 Uhr: Sauerteig auffrischenauch: Anfrischen. Sauerteige werden mit einem Fütterungsvorgang in die aktive Phase überführt. More (TAinternational auch Hydration/Hydratation genannt. TA – Kürzel für Teigausbeute, Angabe der Wassermenge im Teig. TA= 160 bedeutet, dass auf 100g Mehl 60g Wasser gegeben werden, TA=200 bedeutet, dass zu 100g Mehl 100g Wasser kommen. Man bezieht also die Wassermenge im Teig auf 100g Mehl und addiert beides. Hydration nennt den prozentualen Anteil des Wassers am Mehl. Also in diesem Beispiel 60% bzw. 100%. More 200)
- 50 g aktives Sauerteiganstellgut (ASG) in
- 130 g Wasser (ca. 30 °C) auflösen.
- 70 g Ragnar und
- 60 g französisches Weizenvollkornmehl unterrühren.
- Abdecken und bei Zimmertemperatur (ca. 20 °C) 8 bis 9 Std. reifen lassen.
18 Uhr: Fermentolyse
- 250 g reifer Levain in
- 750 g Wasser auflösen.
- 350 g Ragnar (oder Vittoria),
- 150 g Champagnerroggen-Vollkornmehl und
- 250 g Emmervollkornmehl zugeben.
- Nur mischen, bis alle Mehlteile benetzt sind (nicht auskneten).
- Für 30 Min. abgedeckt quellen lassen.
Teigaufbereitung
- 22 g Salz zum Teig geben.
- Nun kräftig auskneten, bis der Teig glatt und elastisch ist. Die ausreichende Glutenentwicklung wird mit dem Fenstertestzur Feststellung der Ausbildung des Klebergerüstes während des Knetvorgangs bei Weizenteigen. Man nimmt ein knapp tischtennisballgroßes Stück vom gekneteten Teig und dehnt es zwischen den nassen Fingern, sodass eine dünne Teigmembran entsteht. Ist diese Membran dick, klebrig und unregelmäßig und reisst schnell, ist das Klebergerüst nur gering ausgeprägt. Der Teig muss länger geknetet werden. Unterkneten eines Teiges ist der häufigste Anfängerfehler. Die Teige entwickeln sich langsamer, bekommen nicht das gewünschte Volumen. Deshalb empfiehlt Dietmar Kappl in seinen Kursen, die Teige eher leicht zu überkneten. More überprüft.
Teigreife in drei Stufen
- Erste Teigreife: Teig auf der Arbeitsfläche rundschleifen. Für 2 Std. abgedeckt bei Raumtemperatur ruhen lassen.
- Zweite Teigreife (Anspringen): Teiglinge in gefettete Backformen setzen. Abgedeckt gehen lassen, bis sich das Volumen um etwa 20 % vergrößert hat (ca. 30 Min. bis 1 Std.).
- Dritte Teigreife (GärverzögerungMeist wird unter Gärverzögerung das Kühlen von Teigen oder Teiglingen verstanden. Eine verzögerte Fermentation kann auch durch Osmosestress (Salz, Zucker, wenig Wasser) herbeigeführt werden.
Durch niedrigere Temperaturen laufen die enzymatischen Vorgänge im Teig langsamer ab. Mit Hilfe von Gärverzögerern (besonderen Kühlschränken) können Teige und Teiglinge für eine vorgegebene Zeit unterschiedlichen Temperaturen und Feuchtigkeiten/Dampfsättigungen ausgesetzt werden. Man kann sie dann auf den Punkt abbacken. Die Gärverzögerung ist ein Qualitätsmerkmal vieler Produkten gegenüber den direkt geführten. Frischhaltung, Geschmack und Krustenstruktur gewinnen. Die Auslastung der zur Verfügung stehenden Backflächen wird durch die Flexibilisierung des Reifezeitpunktes optimiert. More): Teiglinge abgedeckt für 8 bis 14 Std. im Kühlschrank bei ca. 3 °C lagern.
Tag 2
Backen
- Ofen auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.
- Teiglinge direkt aus dem Kühlschrank in den Ofen geben.
- Nach 15 Min. Backzeit die Temperatur auf 210 °C absenken.
- Für ein rustikales Aussehen kann man den Teigling vor dem Backen mit Roggenmehl abstauben und evtl. einschneiden.
Schellis Urteil
Das bon’gu-Charakterbrot! Mit dem oben beschriebenen Sauerteig großartig. Mild, vom Aroma her ein Weizensauerteig(misch)brot mit deutlichem Weizenanklang, ohne Säure. Feucht und mit weichem und leicht knietschigem Biss, der ein Weizenbrot erst als Top-Level-Brot ausmacht. Als sehr kritischer Weizensauerteigbrot-Esser bin ich schnell beleidigt, wenn mir Disharmonien untergeschoben werden. Aus meiner Sicht gibt es zwar langsam mehr gute Weizensauer-Bäcker. Aber die Hochstapler sind immer noch bei weitem in der Überzahl. Ihnen könnte dieses „Morgenbrot“ auf die Sprünge helfen. Die verwendete Sauerteigkultur wurde über ein Jahr auf Ragnar/frz. Weizenvollkornmehl intensiv trainiert. Unsere Überzeugung ist, möglichst alle Randbedingungen für die Kultur stabil zu halten, um sie einerseits berechenbar zu machen und andererseits genau die Charaktereigenschaften anzutrainieren, die wir uns wünschen. Sie wird 2- bis 3-mal pro Woche aufgefrischt. Vor dem Backen immer 2-mal hintereinander. Und es ist nicht egal, womit ich meine Kulturen füttere. Im Gegenteil – für exzellente Ergebnisse habe ich keine Wahl.