Poolish-Baguette

Das neue 50er Poolish-Baguette

Anfängertaugliches Poolish-Baguette

Anfängertauglich durch eine etwas festere Teigführung und wertvolle Verarbeitungstipps am Ende des Beitrags!

Die Idee folgt der neuen Philosophie von Dietmar Kappel: einen möglichst hohen Mehlanteil in den Vorteig packen. In unserem Fall wandert die Hälfte des Gesamtmehls in den Poolish. Warum? Geschmack und Porung profitieren!

Ganz unten findest du einen Zeitplan, um sicher starten zu können.

Zutaten für 6 Baguettes

Poolish

  • 500 g T65 Label Rouge
  • 500 g Wasser
  • 1 g Hefe

Die Zutaten verrühren und den Ansatz 12 – 20 Std. bei 20 °C reifen lassen, sodass der mehlige Duft verfliegt und sich eine rege Bläschenbildung zeigt, während erste alkoholische Aromen wahrnehmbar werden. In diesem Stadium kann man den Poolish auch in die Kühlung geben, um das Verarbeitungszeitfenster deutlich zu verlängern.

Autolyse

  • 1000 g Poolish
  • 500 g T65
  • 100 g Wasser

Alles homogen verrühren (100 g Wasser für die Bassinage zurückhalten) und anschließend 1 Std. quellen lassen.

Hauptteig

  • Poolishteig
  • Autolyseteig
  • 22 g Salz
  • 7 g frische Hefe

Die Zutaten zunächst 5 Min. auf kleiner Stufe, dann 14 – 15 Min. auf höherer Stufe maximal auskneten. Das zurückgehaltene Wasser kommt dann in kleinen Mengen hinzu, sobald der Teig glatt ist. Ein Fenstertest zeigt die Teigqualität – damit ist der erste wesentliche Schritt zum guten Baguette geschafft.
Teigtemperatur < 24 °C.

Stockgare

6 – 8 Std., 1x aufziehen nach ca. 60 Min. Teigtemperatur: 18 °C.

6 Teiglinge gleichmäßig abstechen, zu Zylindern vorformen und im Leinen ablegen. Die Zylinder ca. 40 Min. entspannen lassen.
Danach die Zylinder zu Baguettes formen und in Bäckerleinen zur Stückgare legen. Die Teiglinge mit Mehl bestäuben. Wer glänzende Baguettes bevorzugt, nimmt dazu Kartoffelstärke.

Stückgare

60 Min. bis 8 Std. im Kühlschrank (4 °C), wobei die letzten 60 Minuten ohne Abdeckung erfolgen. Dieser Schritt ist wichtig, weil die Oberfläche der Teiglinge in der Kälte verhautet und so erst die Grundlage für einen schönen Ausbund schafft.

Backen

Kurz vor dem Einschießen die Baguettes mit langen, schrägen, sich überlappenden Schnitten versehen. Einfacher ist der klassische Schnitt: einmal längs, am besten dem Schluss entlang.

Den Backofen mit Backstahl und Schwaden bei 235 °C/250 °C Ober-/Unterhitze 45 Min. vorheizen. Die ersten 3 Baguettes mit Hilfe einer Kippdiele umdrehen und auf Backpapier setzen.

Nur die mit Kartoffelstärke bestäubten Baguettes vor dem Backen mit Wasser besprühen!

Nach 10 Min. den Schwaden ablassen und bei 250 °C goldbraun zu Ende backen – am besten mit leicht geöffneter Ofentür. Backzeit insgesamt: 20 – 22 Min. Kartoffelstärke-Glanz-Baguettes heiß aus dem Ofen mit Wasser absprühen.

50er Poolish-Baguette

Schellis Urteil

Ab sofort bon’gu-Standard! Der hohe Vorteiganteil führt zu offenporiger Zartheit und lieblich-floralem Bukett, für das sich das T65 Label Rouge gemeinsam mit der Hefe verantworten. Dieses Rezept verzichtet ausdrücklich auf Sauerteig, damit die filigranen Aromen des Baguettemehls und der Fermentation nicht untergehen.

Wenn man ehrlich ist: Dieses Brot wird schneller trocken als ein Roggenbrot, okay. Die wunderbare Textur – ein Spiel aus dünner, knuspriger Kruste und feucht-wattigweicher, offener, duftender Krume – verliert zwar an Anziehungskraft, doch die Mehl- und Fermentationsaromen bleiben erhalten. Deshalb empfiehlt sich ein Brotsalat (Panzanella) mit ebendiesem Baguette!

Die oben erwähnte Anfängertauglichkeit kommt von zwei Punkten:
Im ersten Schritt reduzieren wir die Wassermenge, der Teig wird etwas fester geführt. Im entscheidenderen zweiten Schritt sprechen wir über die Hürden, die den Hobbybäcker erwarten. Im Grunde sind die Fehlermöglichkeiten zwar endlos, doch wenn man sich jedoch auf die unten zusammengefassten „Essentials“ konzentriert, erzielt man sofort bessere Ergebnisse – und zwar einen echten Qualitäts-Quantensprung.

Einfrieren & Aufbacken:

Möglichst sofort nach dem Backen einfrieren, um den Feuchtigkeitsverlust gering zu halten. Aufbacken: 200 °C Ober-/Unterhitze, 8 Min. aufgetaut oder 10 Min. direkt aus dem Froster. Bei Direktaufbackung braucht das Baguette nach dem Aufbacken noch ca. 15 Min., damit die Wärme in den Kern eindringt.

Essentials:

  1. Teig sorgfältig auskneten. 
  2. Teigreife bestimmen (3x!: Ballengare / Stückgare 1 / Stückgare 2)
  3. Der letzte Teil der Teigreife passiert ohne Abdeckung im Kühlschrank – der Teigling muss verhauten.
  4. Auf Symmetrie achten: Dem Profibäcker prügelt man eine gewisse Ästhetik geradezu ein, und seine Teigmengen bewältigt er nur mit Eleganz und möglichst rational, weil er sein Muskel-Gedächtnis trainiert. Diesem Vorteil wirst du dich nur mit Kopfarbeit annähern können. Überlege deshalb, wie du mit dem Teigling umgehst, damit er symmetrisch in den Ofen kommt – und übe am Teig, sooft es möglich ist.
  5. Mit etwas Training bekommt man mit deutschem „Baguette“-Mehl zwar ansehnliche, jedoch niemals annähernd aromatische oder texturell vergleichbare Baguettes wie mit gutem französischen T65. Ich kenne niemanden, der dem bei direktem Vergleich widersprochen hätte.
  6. Das Vorteig-Prinzip: Eine möglichst große Mehlmenge in den Vorteig zu packen, hat folgende Konsequenzen: Die Mehlstrukturen werden teilweise abgebaut, der Teig dehnt sich dann leichter. Kleine Blasen verbinden sich zu größeren. Der „degas“-Befehl des großen Bertinet ist folglich eine Fehlinterpretation – er klopft nicht entgasend auf Teiglingen herum, sondern zerstört Strukturen, um größere Kavernen entstehen zu lassen. Der zweite große Effekt ist der Aufbau von Aromavorstufen, die sich im Brot wiederfinden. Wir gehen mit dieser Methode an Grenzen, weil wir Aroma und Verträglichkeit maximieren und auch die gewünschte wilde Porung ausreizen. Weil wir das Rezept anfängertauglich belassen wollten, ist die Hydration nicht ausgereizt worden, weshalb die Porung unter ihren Möglichkeiten bleibt.

Beispiel-Zeitplan

  • Vortag, 16:00 – Poolish ansetzen (16 Std.)
  • 08:00 – Autolyse (1 Std.)
  • 09:00 – Hauptteig kneten (Teigtemperatur < 24 °C)
  • 09:20 – Stockgare (7 Std. / 18 °C) 
  • 10:20 – 1× aufziehen
  • 16:20 – Teiglinge vorformen + entspannen lassen (40 Min.)
  • 17:00 – Stückgare im Kühlschrank (4 Std. / 4 °C, letzte 60 Min. ohne Abdeckung)
  • 20:15 – Ofen vorheizen (250 °C)
  • 21:00 – 1. Charge einschießen (235 °C/250 °C Ober-/Unterhitze + Schwaden)
  • 21:10 – Schwaden ablassen
  • 21:20 – 1. Charge aus dem Ofen / 2. Charge einschießen + Schwaden
  • 21:30 – Schwaden ablassen
  • 21:40 – 2. Charge aus dem Ofen

Für diesen Zeitplan wurde für die Stückgare ein Mittelwert von 4 Std. angenommen. Die Zeit muss ggf. angepasst werden.