Italiens intensiver Süden: Spaghetti alla Puttanesca vs. Pasta all’Eoliana
Bei uns im Haus eines der häufigsten Gerichte – mindestens zweiwöchentlich. Unterbewertet und unterbelichtet. Hinreißend gutes und einfaches Pastagericht – wenn man nur ein paar Grundregeln beachtet.
Unglaublich vielschichtig, duftend, knackig, lieblich. Sanft, schmeichelnd, verführerisch und herausfordernd. Aufmerksam zubereitet, kommt man auf einfachste, schnelle Weise zum Hochgenuss. Ich habe nirgends bessere serviert bekommen als die hier vorgestellte Variante.
Das Rezept
Rezept für 2 Personen mit ordentlichem Appetit
220 g Spaghetti, Linguine oder Fusilli
1 Dose San Marzano Tomaten (400 g)
1–3 Zehen Knoblauch
ca. 20 g Kapern in Salz – mit den Kapern wird die Sauce gesalzen, deshalb auf keinen Fall wässern, das trägt zur Aromafülle bei.
1–2 Sardellen (individuell anpassen)
1 frische Thai-Chili (individuell anpassen)
1 Dose Ventresca-Thunfisch
Zubereitung
Die Pasta wird nach Anleitung al dente gekocht.
Zeitgleich:
1
Etwa 60 ml Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen und den Knoblauch bei mittlerer Hitze darin aromatisieren. Nach Wunsch Sardellen mit schmelzen lassen.
2
Feinst gehackte Chili dazugeben, gefolgt von den San-Marzano-Tomaten und den Kapern (inklusive ihres Salzes). Die Tomaten mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken und auf etwa 60 % einkochen lassen. Gegen Ende den Oregano vom Bund darüberbröseln.
3
Die Oliven in die Sauce geben.
4
Kurz bevor die Pasta fertig ist, wird der Thunfisch zerzupft und über die Tomatensauce gestreut, nicht mitgekocht, sondern nur erwärmt.
5
Pasta mit der Tomatensauce vermengen, dem bereits wartenden Partner servieren.
Schellis Urteil
In dieser Qualität wirst du ein Pastagericht never ever in deiner Pizzeria finden. Der Wert der Zutaten sprengt jede Kalkulation. Hier kommen drei Komponenten zusammen:
1. die erstklassigen Zutaten,
2. das süditalienische Koch-Know-how,
3. die Synergie der Komposition: die südlichen Aromen und die verschiedenen Texturen vereinigen sich zu einem umwerfenden Konzert, einem Kunstwerk.
Hier im Haushalt herrschen zwei Varianten vor:
- Die Dame des Hauses bevorzugt San Marzanos wie oben beschrieben – sie werden auf die gewünschte Konsistenz eingedampft.
Dauer: ca. 10 Minuten. - Schelli zieht die Datterini, mit dem Zauberstab/Stabmixer zerkleinert, vor. Sie werden auf dem Herd maximal eingedampft, sodass sie eine dunkelrote Farbe annehmen und erste Röstprozesse beginnen. Mein Lehrmeister Peter Fuchs redete in dem Zusammenhang von: „Die Säure der Tomaten muss gebrochen werden.“ Die gewünschte Konsistenz der Sauce wird dann mit dem Pastawasser eingestellt. Unabhängig von der Biochemie haben die so behandelten Tomaten für mich tiefere, vielschichtigere Aromen und schmecken insgesamt harmonischer.
Dauer: ca. 15 Minuten.
Weil in Italiens Süden zwei sehr ähnliche Varianten im Umlauf sind, hier die wesentlichen Unterschiede zwischen der Pasta all’Eoliana (Liparische Inseln) und der Pasta alla Puttanesca (Region Kampanien/Latium):
1. Die Kräuter
- Eoliana: Hier dominiert Oregano und oft eine ordentliche Portion frisches Basilikum. Oregano ist das charakteristische Gewürz der Äolischen Inseln, da er dort wild und extrem aromatisch wächst.
- Puttanesca: Hier ist glatte Petersilie Standard.
2. Die Tomaten-Basis
- Eoliana: Verwendet frische Kirschtomaten, die nur kurz in der Pfanne geschmolzen werden. Die Sauce bleibt dadurch heller, frischer und stückiger.
- Puttanesca: Basiert traditionell auf geschälten Tomaten aus der Dose (Pelati) oder Tomatenmark. Die Sauce wird länger eingekocht, ist dunkler, sämiger und schwerer.
3. Die Hauptzutat: Die Kapern
- Eoliana: Die Salina-Kaper ist der Star. Sie hat durch Salzfermentation eine ganz eigene, florale Note. Sie wird ganz gelassen, um als eigenständige Komponente hervorzustechen.
- Puttanesca: Die Kapern sind hier eher ein Teil des salzigen Gesamtensembles und werden gehackt, um den Sugo zu bereichern.
4. Sardellen
- Eoliana: optional, dezent
- Puttanesca: essenziell
5. Das Topping
- Eoliana: Wird sehr häufig mit „Muddica atturrata“ (gerösteten Semmelbröseln) serviert. Das gibt einen knusprigen Kontrast.
- Puttanesca: Wird klassischerweise ohne Käse und ohne Brösel gegessen.