Frankenlaib

Frankenlaib

Franken – ein Landstrich, geprägt von deftiger Küche, kräftigen Aromen und großen Portionen. Wir nehmen die Grundstruktur eines einfachen, gelingsicheren und ortstypischen Brotes und ersetzen das in Hobbybäcker-Kreisen häufig verwendete Altbrot durch Aquaposa – im Wesentlichen geschmacksneutrale Flohsamenschalen, die viel Wasser binden. Die hier verwendeten Mehle sind einfach zu schade, um ihre Eigenaromen durch die Altbrotnote zu übertünchen. Ein weiterer, die Frischhaltung unterstützender Faktor ist das Barlimalt aktiv: Es baut Teigstrukturen auf natürliche Weise ab, wodurch die Krume klebrig-feucht bleibt.

Ganz unten findest du einen Zeitplan, um sicher starten zu können.

Rezept

Gesamtmehl: 1000 g

Roggensauerteig (Detmolder Einstufen-Führung)

  • 350 g Alpenroggen
  • 260 g Wasser
  • 35 g Roggen-Anstellgut (aktiv)

Zubereitung: Die Zutaten homogen verrühren.
Reifezeit: 10–15 Std. bei Raumtemperatur

Hauptteig

  • Gesamter Sauerteig (610 g abzüglich Anstellgut)
  • 450 g Alpenroggen
  • 200 g Dinkel-Ruchmehl (oder Ruchmehl)
  • 50 g Aquaposa
  • 5 g Barlimalt aktiv
  • 560 g Wasser
  • 22 g Salz
  • 8 g Brotgewürz oder Kümmel (nach Wunsch)

Teigzubereitung

Kneten: Alle Zutaten in die Knetmaschine geben. Dabei darauf achten, dass Aquaposa vor dem Wasserkontakt mit dem Mehl vermischt wird, um Verklumpungen zu vermeiden. Im langsamen Gang (Stufe 1) ca. 7–8 Min. mischen, bis ein homogener Teig entsteht. Roggenteige werden nicht ausgeknetet, ein intensiver Gang ist nicht nötig.

Stockgare: Etwa 90 Min. bei Raumtemperatur (z. B. im Knetkessel). Achten Sie eher auf die Volumenzunahme als auf die Zeit: 30 bis 40 % Zuwachs sind ideal.

Formen: Wer Einfachheit bevorzugt, kann diesen Schritt ohne Qualitätsverlust auslassen. Im Gegenteil – die Porung wird offener, wenn man den traditionell üblichen Schritt überspringt.
Den Tisch gut mit Alpenroggen bemehlen, den Teig schonend auf die Arbeitsfläche geben, halbieren und rundwirken – oder einfach mit Hilfe eines Teigschabers von außen zur Mitte schlagen. Mit dem Schluss nach unten in einen gut bemehlten Gärkorb setzen, wenn das Brot im Ofen wild aufreißen soll. Wer eine weniger raue Oberfläche wünscht, setzt den Schluss nach oben.

Variante – Formen überspringen: Zwei Gärkörbe großzügig mit Alpenroggen bemehlen. Nach der ersten Teigreife die Hälfte des Teiges mit einer Teigkarte direkt aus dem Knetkessel in einen Gärkorb abstechen, den zweiten Korb ebenso befüllen.

Stückgare: Ca. 60–120 Min. bei Raumtemperatur. Der Teigling hat dann nochmals etwa 25 % an Volumen zugenommen und zeigt an der Oberfläche feine Risse (ca. 0,5 cm).

Anmerkungen zur Teig- und Raumtemperatur

Ich weiß, dass roggenlastige Teige gern warm (um 30 °C) geführt werden – und jeder freut sich dann über die Wirkung des explodierenden Sauerteigs und die sensationell kurze Reifezeit bei gut funktionierenden Kulturen. Doch dieser Kardinalfehler führt selbst bei hefegeführten Teigen zu wenig Geschmack und Aroma. Warum sollte das bei Sauerteigbrot anders sein? Lasst die Teiglinge bei 20–22 °C reifen und freut euch über das beste Roggenbrot ever – mit wesentlich tieferen Fermentationsaromen und ohne Säure. Die Angst vor Säure ist in einer falschen Sauerteigführung begründet, nicht in der verzögerten Reife bei 20 °C.

Backen

Ofen-Setup: Den Ofen inklusive Backstein oder schwerem Gusseisentopf rechtzeitig auf 250 °C vorheizen.

Einschießen: Den Teigling auf den heißen Stein/Stahl stürzen.

Schwaden: Sofort kräftig Dampf einbringen. Nach 15 Min. den Dampf durch weites Öffnen der Ofentür vollständig ablassen.

Backprofil: Nach dem Ablassen des Dampfes die Temperatur auf 210 °C reduzieren. Die letzten 15 Min. der Backzeit die Ofentür einen Spalt breit offen lassen – das hilft, die Kruste auszutrocknen und zu stabilisieren.

Gesamte Backzeit: Ca. 50–60 Min. Auf einen deutlichen Ausbackcharakter achten – das Brot braucht die dunkle Kruste für das typische Aroma.

Kerntemperatur: 97 °C

Varianten der Wasserbindung

Wir haben mit Aquaposa/Flohsamenschalen eine natürliche, geschmacksneutrale Wasserbindung zur Frischhaltung eingebaut. Es gibt Alternativen:

  1. Kochstück (früherer Goldstandard): Eine Art Mehlpudding. Dazu nimmt man 5 % des Gesamtmehls (am besten Weizen oder Dinkel), verrührt es mit der fünffachen Menge kaltem Wasser und kocht das Ganze zu einem Pudding auf. Mit Folie direkt auf der Oberfläche abdecken, um Hautbildung zu vermeiden, und abkühlen lassen.
  2. Extrudat: Durch Hitze und Druck aufgeblähte Mehle. Sie müssen nicht mehr gekocht werden, da sie das Wasser auch so begierig aufsaugen. Wichtig: Zuallererst gut mit dem Hauptteigmehl verrühren. Der Teig zieht an und wird in den nächsten 5–7 Min. fester.
  3. Kartoffelpüree-Pulver: Ähnlich effektiv (und daher gleich zu dosieren) wie die oben genannten Varianten, zieht ebenfalls nach.
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Schellis Urteil

Einfachstes Alltagsbrot – einsteigergeeignet! Mit einem stabilen Champagnerroggen-Starter als Sauerteigkultur kann man, wie im Rezept beschrieben, hefefrei arbeiten. Insbesondere die Langzeit-Brotreife dankt es. Die Brotaromen entwickeln sich über Tage: Im frischen Brot duftet die Krume zunächst nach flüchtigen, floralen Heunoten. Später lassen diese nach, und dezent erdige Noten gewinnen an Raum. Immer präsent ist der Alpenroggen – er prägt dieses Charakterbrot. Auch die lange Champagnerroggen-Fermentation hinterlässt Spuren: Sie baut einen regelrechten Suchtfaktor ein – man kann nicht aufhören, Scheibe für Scheibe zu genießen.

Wem die Krume zu gedrungen ist, der verwende ein kleberstarkes italienisches Mehl – das Brotvolumen nimmt merklich zu.

Für mich ist Kümmel die verbreitete Version in Franken, Brotgewürz die harmonischere Variante. Vielleicht als Kompromiss: Wer das Brot zur Haxe oder zum Schäuferla reicht, gibt eine Handvoll Kümmel mit in den Teig – das spart den „Verteiler“ im Nachgang.

Die gewählte TA (Teigausbeute, Hydratation) von 182 ist für Anfänger gewagt. Überspringt man jedoch, wie oben beschrieben, die Teigaufarbeitung und kippt den Teig mit Hilfe des Teigschabers direkt aus dem Knetkessel in den Gärkorb, ist sie durchaus handhabbar.

Beispiel-Zeitplan

  • Vortag, 21:00 – Sauerteig ansetzen (12 Std.)
  • 09:00 – Teigzubereitung
  • 09:15 – Stockgare (90 Min.)
  • 10:45 – Stückgare (90 Min.)
  • 12:15 – Backen + Schwaden (250 °C)
  • 12:30 – Schwaden ablassen + Temperatur absenken (210 °C)
  • 13:00 – Tür einen Spalt öffnen
  • 13:15 – Aus dem Ofen

Für diesen Zeitplan werden Raumtemperatur sowie ein Mittelwert von 12 Std. für die Sauerteigreifung und 90 Min. für die Stückgare angenommen. Die Zeiten müssen ggf. angepasst werden.
Die Sauerteigreifung lässt sich durch eine Temperaturabsenkung auf 18 °C auf ca. 20 Std. ausdehnen.